Die richtige Welpenschule

Was ist eine gute Welpenschule?

Was unterscheidet einen Welpe von einem erwachsenen Hund?

Es ist die Fähigkeit sehr schnell und nachhaltig zu lernen. Natürlich neben der Größe und dem Aussehen. Was wünschen sich die meisten Hundehalter von der Welpenschule? Sie möchten der Empfehlung folgen, dass ein Welpe bis zur 16. Woche möglichst gut sozialisiert und an die Umwelt gewöhnt wird.

In meiner Praxis erlebe ich viele Hunde, die in der Welpen- und Junghundeschule waren, eben um dafür zu sorgen, dass ihr Hund später keine Aggressionsprobleme gegenüber andere Hunde und Menschen bekommt. Jedoch hat sich der Welpe sich dann doch anders entwickelt, als erwartet.

Woran liegt das?

Die allerersten Erfahrungen macht ein Welpe in gewohnter Umgebung, mit der Mutterhündin, den Geschwistern und den Menschen, die während der Aufzucht Kontakt zu den Welpen haben. In der Zeit nach der Geburt bis zur Abgabe des Hundes gibt es einen recht kleinen Zeitabschnitt, in der Welpen von der Körperchemie her, kaum Angst haben. Das Erkundungsverhalten ist stark ausgeprägt. Zum Zeitpunkt der Abgabe der Welpen überwiegt jedoch die Angst vor Neuem. Angst ist ein Schutzmechanismus der Natur, um das Individuum vor Gefahren zu schützen. Negative Lernerfahrungen sind besonders im Welpenalter, aber auch schon bei älteren Hunden ein sehr guter Lehrmeister. Lernerfahrungen mit Angst, Schmerz und Unwohlsein sind sehr fest verankert und nur mit vielen positiven Erfahrungen umlernbar. Ein Welpe lernt sehr schnell und eine einzige negative Erfahrung kann sich sehr tief einprägen. Was bedeutet das nun für die Erziehung eines Welpen? Wenn man als Hundehalter möchte, dass ein Welpe seine gesamte Umwelt als freundlich und nicht angsteinflößend kennen lernen soll, dann muss er möglichst viele positive Erfahrungen machen. Negative Erfahrungen sollten möglichst ganz vermieden werden.

Was sind negative Erfahrungen?
Viel mehr als man gemeinhin glaubt. Unwohlsein durch Krankheit und Kälte oder Hitze zählt genauso dazu, wie Angst und Schmerz. Angst wirkt auch dann negativ, wenn diese von uns kaum, besonders als Ersthundehalter, wahrgenommen wird. Auch wenn wir glauben, der Welpe wird schon merken, dass ihm nichts passiert, passiert ihm was – nämlich Angst. Angst ist eine Lernerfahrung, die sich viel tiefer ins Gedächtnis einprägt, als eine positive Erfahrung.

Warum erwähne ich so oft die Angst?
Angst stresst einen Hund und ein erhöhter Stresspegel lässt einen Hund noch früher ängstlich reagieren. Je nach dem individuellem Wesen und weiteren Lernerfahrungen des Hundes entwickelt er sich im Jugend-und Erwachsenenalter entweder zu einem vor allem flüchtenden Hund oder zu einem aggressiven Hund. Die meisten Aggressionen, besonders die Leinenaggression, entwickeln sich aus früheren negativen Lernerfahrungen. Bei der Leinenaggression können das Übergriffe anderer Hunde auf den angeleinten Hund sein, aber in den meisten Fällen ist das aus Lernerfahrungen mit Angst an der Leine. Angst beim Hund ist für den, in Körpersprache des Hundes, unerfahrenen Hundehalter fast nicht wahrnehmbar. Sie wird meist als Ungehorsam gegenüber dem Halter, bzw. Desinteresse gegenüber den anderen Hund interpretiert. Manche Hundehalter kommen gar nicht auf die Idee, dass der Hund Angst haben könnte.

Ein weiterer Faktor für spätere negative Entwicklung ist die Erregung/Aufregung des Hundes.
Ein Hund lernt immer. Wie wir bisher gelernt haben, lernt ein Welpe viel schneller, als ein erwachsener Hund. Ein Hund lernt auch die Erregung und die Entspannung mit den Situationen zu verknüpfen. Übrigens auch die der Menschen. Es reicht sich einmal über einen anderen Hund oder Hundehalter aufzuregen, um dem eigenen Hund „zu sagen“: ’nimm dich vor dem anderen Hund (bzw. das was der Hund gerade im Fokus hat) in Acht‘.
Ein Welpe ist meist aufgeregt, weil alles Neue ihn reaktionsbereit macht, ihn also erregt. Das ist völlig normal. Er wird in der Situation, der Gegend und im Angesicht von Hunden oder Menschen immer aufgeregt reagieren, wenn er nicht auch Entspannung in diesen Situationen, Gegenden und im Angesicht von Hunden oder Menschen lernt.

Wie sieht nun eine gute Welpenschule aus?

– Kleine (max. 6 Teilnehmer) Gruppen – dazu gehört auch das allgemeine Umfeld. Ein voller Hundeplatz überfordert einen Welpen auch sehr schnell
– Viele Entspannungsübungen, die die Trainingsstunde unterbrechen, idealerweise wird diese Zeit für Themen zur Hundeerziehung genutzt. Entspannung ist nicht das erzwungene „Sitz“ oder „Platz“ neben dem Hundehalter.
– Spiel dient zur Entwicklung guter Kommunikation und ist nur in größenangepassten Zweiergruppen mit vielen Unterbrechungen und ohne große Aufregung sinnvoll
– Es darf nicht gestraft werden. Strafe, wenn sie wirklich wirken soll, bringt automatisch eine negative Lernerfahrung in Zusammenhang mit anderen Hunden oder Menschen. Was genau er negativ verknüpft, ist nicht vorhersehbar, daher sehr gefährlich.
– Die Trainer weisen auf Angstverhalten des Hundes hin und reagieren entsprechend mit Abstand und/oder Pause für den Hund. (nicht mit anderen Hunden spielen/kommunizieren wollen kann auch Angst sein)
– Die Trainer weisen auf zu hohe Erregung des Hundes (daraus folgt meist Fehlverhalten des Hundes) hin und helfen dem Hundehalter Fehlverhalten abzubrechen und die Erregung des Hundes zu senken.
– Die Trainer/Hundehalter zwingen oder locken den Hund nicht in angstauslösende Situationen (dazu gehört auch das locken mit Leckerchen über oder durch Hindernisse oder das Locken bzw. Führen des Hundes mit Leckerchen zu nah für den Hund an anderen Hunden vorbei.
– Fremde neue Gegenstände dürfen vom Hund in ihm angenehmen Abstand und Tempo erkundet werden.
– Kennen lernen von anderen Tieren in entspanntem Zustand

Schutz vor Giftköder

GiftkoederImmer mehr Hunde sterben an Giftködern. Immer öfter kann man im Netz von neue Giftköderwarnungen lesen. Was kann man tun, damit der eigene Hund nicht zum Opfer wird? Tatsächlich gibt es mehrere Möglichkeiten, die alle ihre Vor- und Nachteile haben.

  1. Vermeidung viel von Hunden und Menschen frequentierter Wege.
    • Vorteil: schnelle und einfache Lösung
    • Nachteil: nicht für jeden praktikabel
  2. Maulkorb für den Hund.
    • Vorteil: Sofortige Sicherheit für den Hund, sofern der Maulkorb wirklich sicher ist und der Hund an den Maulkorb gewöhnt wurde.
    • Nachteil: Eingeschränkte Lebensqualität für den Hund. Schlechtes Gewissen beim Hundehalter.
  3. Gut aufgebautes „Aus“
    • Vorteil: Hund gibt alles her, was er im Maul hat
    • Nachteil: In den meisten Fällen, ist man zu weit weg, um richtig reagieren zu können. Der Hund könnte auch einfach nur geschnuppert haben und dann irritiert dieses Kommando mehr, als das es im Ernstfall nützt. Streß durch ständig erforderliche Aufmerksamkeit beim Hundehalter
  4. Schreckreize durch Wurfkette, TrainingsDisks oder Rappeldose
    • Vorteil: als Trainingsansatz gibt es keinen Vorteil. Als Notfallmaßnahme eventuell nutzbar.
    • Nachteil: antrainiertes Meideverhalten kann in Strategie des Hundes umschalten, nur noch heimlich oder in großer Entfernung fressbares aufzunehmen, Streß durch ständig erforderliche Aufmerksamkeit beim Hundehalter
  5. Anzeige durch den Hund
    • Vorteil: Hund behält Vertrauen zum Hundehalter, Bindung zum Hundehalter wird durch das Training verstärkt, streßfreie Spaziergänge auch in gefährdeten Gebieten
    • Nachteil: relativ langes Training abhängig vom Hund/Halterteam und der Menge der Trainingseinheiten

Ich bevorzuge langfristig eindeutig die Trainingsmethode nach Punkt 4 – Anzeige durch den Hund. Es bedeutet sehr viel Aufbauarbeit und effektives Management um die Selbstbelohnung des Hundes zu verhindern, lohnt sich aber wirklich. Bis zum erfolgreichen Abschluß des Trainings nutze ich unter Punkt 1 genannte Managementmassnahme.

 

Generalisierung

Mäxchen hat kein Alzheimer (siehe mein Beitrag auf Facebook)

Was ist passiert, dass Mäxchen keine Kommandos ausgeführt hat?

Dafür kann es mehrere Gründe geben. Die Hauptursache nennt sich fehlende Generalisierung.

Martin hat mit Mäxchen viel geübt. In der Hundeschule und Zuhause in der Wohnung. Es hat sich halt nicht anders ergeben. In der Wohnung war es bequem und warm und in der Hundeschule wurde auf dem Hundeplatz geübt, da man das ja immer so gemacht hat. 😉

Hunde lernen kontextbezogen. Sie verknüpfen unbewußt alle Umweltreize, die beim Lernen vorhanden waren. So gehörte der erhobene Finger genauso zum Kommando, wie der Zaun vom Hundeplatz und die anderen Hunde. Zuhause gehörte wohl der Teppich, auf dem Mäxchen die Rolle gelernt hat und die Einrichtung des Übungszimmers zum Kommando dazu.

Um diesen Effekt auszuhebeln ist es wichtig, möglichst schon am Anfang der Übungsphase eines neuen Kommandos, auf unterschiedliche Umweltreize zu achten. Das könnte in der Wohnung schon ein anderer Bodenbelag im selben Zimmer sein oder das Kommando bekommt der Hund auch mal auf seinem Kissen. Ein andere Abwechslung wäre eine andere Körperhaltung der Bezugsperson (hier Martin). Wenn das gut klappt, übt man das Kommando draußen im Garten und auf der Gassistrecke. Hier ist Ihre Phantasie gefragt. Wichtig ist jedoch immer nur einen Faktor zu verändern und bei jeder neuen Umgebung die Ansprüche soweit zurück zuschrauben, dass der Hund es immer noch schafft. Das kann z.b. auch bedeuten, dass man beim Kommandoaufbau wieder ganz von vorn anfangen muss.

Der zweite Grund könnte eine erhöhte Erregungslage sein. Je aufgeregter und gestresster ein Hund ist, um so weniger kann er auf bekannte Kommandos richtig reagieren.

 

 

Markersignal-punktgenaue positive Verstärkung mit oder ohne Clicker

Immer öfter kann man vom sogenannten „Markersignal“ lesen und hören. Aber was genau kann man darunter verstehen?

Jede Art von gleichbleibenden, vom Hundeführer kontrollierbaren und vom Hund wahrnehmbaren Signal kann zu einem Markersignal werden.

Es ist nichts anderes als ein Lob, das zum richtigen Zeitpunkt ausgesprochen oder gezeigt wird.

Für das Loben der meisten Hunde eignet sich ein Lautsignal. Es wird vom Hund auch wahrgenommen, wenn er gerade nicht zu seinem Hundeführer schaut.

Um sicher zu stellen, dass ein Lautsignal vom Hund auch sicher als Lob wahrgenommen werden kann, wird auf die klassische Konditionierung zurückgegriffen. Hierzu muss nur nach dem Signal innerhalb von 0,5-2 Sekunden eine positive Konsequenz folgen. Mag ein Hund Futter, kann auf das Signal sofort ein Stück Futter folgen.

Mag ein Hund jedoch kein Futter oder möchte der Hundeführer seinen Hund ohne Futter trainieren, dann folgt nach dem Signal etwas was der Hund mag und mit dem der Hundeführer einverstanden ist.

Ganz wichtig! Nach dem Signal muss unbedingt direkt die Belohnung (Konsequenz) folgen, damit das Signal nicht vom z.b. „Greifen in eine Tasche“ überschattet wird. In dem Fall würde das Greifen in die Tasche, statt dem beabsichtigten Lautsignal, zum Markersignal werden.

Die Abfolge: „Signal dann sofort Belohnung“ führt man ca. 10-20 mal hintereinander aus. Danach wird getestet, ob der Hund das Signal schon mit der Belohnung verknüpft hat. Man wartet, bis der Hund etwas abgelenkt ist und gibt dann das Markersignal. Reagiert der Hund darauf, indem er erwartungsvoll zum Hundeführer schaut, hat dieser das Signal mit der Belohnung verknüpft.